• UNTERSCHREIBT UNSEREN OFFENEN BRIEF GEGEN RECHTE HETZTE AUF DER BUCHMESSE 2018! DEN BRIEF FINDET IHR WENN IHR AUF DAS BILD KLICKT!

Unsere Buchmesse ist gegen Rechts!

1st
Okt.. × ’18
Wir – verschiedene Verlage, Autor*innen & Einzelpersonen – stellen uns gegen rechte Hetze auf der Buchmesse.  Auch in diesem Jahr werden rechte Verlage dort präsent sein. Die Buchmesse als Veranstalterin beruft sich für ihre Praxis der Standvergabe auf die Meinungs- und Redefreiheit und den „offenen Dialog“. Doch verkennt sie, dass ebendiese für die Rechten nicht grundlegend sind, sondern es ihnen um die Durchsetzung ihrer rassistischen und autoritären Weltanschauung geht, wie sich an Reden, Auftritten und Publikationen ihrer Protagonist*innen nicht nur zwischen den Zeilen herauslesen lässt. Ein maßgeblicher Akteur der Neuen Rechten formuliert es klar: „Wozu sich auf ein Gespräch einlassen? (…) Von der Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird Euch kein Wort überzeugen, sondern bloß ein Schlag ins Gesicht.“
(Götz Kubitschek; Provokation. Antaios Verlag 2007)

ERFAHRUNGEN AUS DEM LETZTEN JAHR

Die Bereitstellung von Standflächen und Veranstaltungsbereichen an rechte Verlage führte im vergangenen Jahr zu massiven Protesten von Messebesucher*innen. Sie wandten sich unter anderem gegen die Auftritte rassistisch-völkischer Redner wie Björn Höcke (AfD) oder Akif Pirinçci. Die Illusion eines „freien Dialogs“ mit bekannten Größen der rechten Szene wurde spätestens durch den gemeinsamen Auftritt von Götz Kubitschek (Antaios-Verlag) und seinen ideologischen Ziehsöhnen Martin Sellner und Mario Müller zerstört. Letztere sind führende Köpfe der international vernetzten rechtsradikalen und rassistischen Identitären Bewegung. Schließlich setzte Kubitschek zusammen mit der aufgestachelten Menge, darunter organisierte Neonazis und andere Rassist*innen, die Fortführung seiner Veranstaltung gegen den Willen von Direktor Jürgen Boos durch. Auch führte die im letzten Jahr von der Buchmesse initiierte Standvergabe von Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wie der Amadeu Antonios Stiftung „als Gegengewicht“ in die räumliche Nähe zu den rechten Verlagen während der gesamten Messetage für Übergriffe und Einschüchterungen des Standpersonals und deren Besucher*innen. Bundesweit wurden 2017 die Proteste gegen Rechts auf der Buchmesse in den Medien als „Auseinandersetzung zwischen rechts und links“ verharmlost. Jürgen Boos diffamierte ihn gar als „Auseinandersetzungen von Hassgruppen“ (Spiegel-Interview). Diese Haltung übersieht den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss rechter Gruppierungen und leugnet die eigene politische Verantwortung.

KEINE BÜHNE FÜR RECHTE HETZE! –

RECHTE POSITIONEN SIND KEINE MEINUNG

Die Buchmesse findet kurz vor der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober statt. Die Rechte wird ihre menschenverachtenden Inhalte in Gestalt der neu erschienenen Bücher von Höcke, Sarrazin und Co dazu nutzen, um die Buchmesse zu einem
zentralen Ort des Wahlkampfs der AfD zu machen. Heute – in Zeiten, in denen in Chemnitz aus Demonstrationen heraus Hetzjagden auf People of Colour, Linke und Journalist*innen ausgehen und in denen Björn Höcke (AfD), Gast auf der letzten Buchmesse, Redner auf ebendiesen Veranstaltungen ist – müssen sich Institutionen wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ihrer geschichtlichen und aktuellen Verantwortung stellen. Eine klare Positionierung gegen Rechts wäre ein mutiges
und wichtiges Signal gegen die autoritäre Formierung und für eine tolerante und freie Gesellschaft.
Wir fordern alle Besucher*innen, Autor*innen, Verlage und Mitwirkende auf, vor und während der Messe auf vielfältige Weise sichtbar Stellung gegen rechts zu beziehen. Die Buchmesse darf nicht in gewohnter Form ablaufen, wenn sie gleichzeitig Rechten und Neonazis dazu dient, ihre autoritäre und rassistische Ideologie dort zu verbreiten.

– INITIATIVE BUCHMESSE GEGEN RECHTS

 

unterzeichnet den Brief indem ihr an buchmessegegenrechts@riseup.net schreibt

buchmesse_gegen_rechts_(PM)[1]

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Statement von #verlagegegenrechts zur Frankfurter Buchmesse: Dem Rechtsruck entschlossen entgegentreten – in Frankfurt und überall

20th
Sep.. × ’18

Dem Rechtsruck entschlossen entgegentreten – in Frankfurt und überall

Als sich die Kampagne „Verlage gegen rechts“ gründete, war das der längst überfällige Versuch, die Präsenz rechter und rechtsradikaler Verlage auf den Buchmessen institutionell zu skandalisieren. Mit guter Medienresonanz und einer Fülle stark besuchter Veranstaltungen gelang ein Programm, das die Unangemessenheit der lautstarken Auftritte von rechts zeigte und sachliche Diskussion mit eigenen Inhalten dagegenstellte. Trotz dieses Erfolgs lautet unsere Bilanz: Das reicht uns nicht!

In Deutschland wie europa- und weltweit erleben wir zunehmend beängstigende Ressentiments und menschenfeindlichen Rassismus. In dieser Situation ist es uns unbegreiflich, dass sich so viele, die in unserer Buchbranche arbeiten, weiterhin nicht positionieren, geschweige denn engagieren.

Sich gezielt unpolitisch zu geben oder nach rechts unabgegrenzte Programmarbeit zu machen stärkt diejenigen, die eine tolerante und demokratische Weltanschauung attackieren und unterminieren. Die deutsche Verlagslandschaft hat sich jahrzehntelang kritisch mit dem Nationalsozialismus, seinen Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Umso unerklärlicher, dass die Gefahr neuer faschistischer Tendenzen unterschätzt wird. Während tausende Menschen im Mittelmeer in den Tod getrieben werden und uns täglich „die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit“ (Rosa Luxemburg) vor Augen geführt wird, kommt das Humane, was Literatur ausmacht, zu kurz.
Verlagsarbeit heißt in unseren Augen, die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, die Perspektiven von Menschen aus allen möglichen Ländern zu beleuchten und gerade die Stimmen der Unterdrückten und der Andersdenkenden vernehmbar zu machen. Abschottung ist in einer Branche, in der jährlich tausende Titel aus anderen Sprachen übersetzt werden, schlechterdings die Antithese.

Während der Kampagne ist uns allzu oft das Wort Meinungsfreiheit entgegengehalten worden wie auch die Forderung, mit rechten Demagog*innen und Aufhetzer*innen zu reden. Doch was geschieht, wenn rechte Hetzparolen eine Bühne bekommen, können wir nun beobachten. Sie halten ihre Position für den Mainstream. Wir glauben weder an „Angst“ als Grund für Hass, noch an „Heimat“ als Grund für Gewalt und Empathielosigkeit. Wir sagen: Analyse ja, Verständnis nein! Wir fordern offene Grenzen in den Köpfen und zwischen den Staaten und Solidarität mit allen Schwächeren auf dieser Welt. Wir wollen, dass alle hier Lebenden sozial und politisch gleichgestellt werden. Es sind genug Mittel für ein würdiges Leben für alle da, sie sind nur falsch verteilt. Statt Geld in Infrastruktur zu investieren, werden Milliardengeschäfte mit Waffen gemacht. Die deutsche Wirtschaft und Politik wird dadurch selbst zum Fluchtverursacher. Das muss ein Ende haben.

Und es kann nicht sein, dass wir nur reagieren: Wir sollten den Diskurs bestimmen, da wir Argumente haben und nicht, wie die Rechten, nur Ressentiment. Wir wünschen uns eine andere Welt und wir wünschen uns, dass alle Verlage ihre Aufgabe, auf diesem Weg ihrer Rolle als geistige Inspiratoren gerecht werden!

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